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Filminfo
[Langfassung] [Pressenotizen]
Kurzinhalt
Kann man ein ganzes Volk vor Veränderungen bewahren?
Kann man einen einzelnen Menschen vor Veränderungen bewahren?
Kann man eine Liebe vor Veränderungen bewahren?
Kann man eine Erinnerung bewahren?
"Balzac
und die kleine chinesische Schneiderin" spielt vor einer phantastischen
chinesischen Landschaftskulisse und ist eine poetische und bewegende
Dreiecksgeschichte, die ihren großen Nachhall aus der Frage zieht,
welche Rolle Literatur für unser Leben spielt.
Durch das Nacherzählen von Filmen und Romanen gewinnen zwei junge
Männer das Herz einer jungen Frau ohne zu ahnen, welche Veränderungen
sie damit herbeiführen.
China
1971, Maos Kulturrevolution hat schon einiges an Schärfe verloren.
Die Universitäten sind noch geschlossen. Nach Abschluss der Oberschule
werden der 17jährige Ma und der 18jährige Luo wie viele andere junge
Städter zur Umerziehung durch die revolutionären Bauern aufs
Land geschickt. Nach einiger Zeit harter Feldarbeit gibt ihnen der
Dorfvorsteher den Auftrag, sich in der Kreisstadt einen Film anzusehen
um ihn anschließend den Dorf-
bewohnern zu erzählen. Die erzählte Filmvorführung wird ein voller
Erfolg, auch im Nachbar-
ort hört man davon. Dort verlieben sich die beiden in die Enkelin
des alten Schneiders, die immer neue Geschichten von ihnen hören will.
Woher aber immer neue Geschichten nehmen, wenn alle literarischen
Bücher verboten sind?
Autor
Dai Sijie hat seinen eigenen international erfolgreichen Roman selbst
verfilmt.
„Dies ist die schönste Liebeserklärung des Jahres: an die Literatur, an das Leben, an die Ironie, an eine Frau: es ist außerdem die frechste, charmanteste Lektion zum Thema Freiheit” Le Figaro Magazin
"Meine
Intention bei "Balzac ..." war nicht die, ein Thesenpapier
über die Kulturrevolution
zu schreiben. Meine Sicht der Kulturrevolution habe ich in mehreren
anderen Filmen thematisiert. In "Balzac ..." wollte ich eine
Geschichte erzählen über Liebe und Freund-
schaft zwischen drei jungen Menschen, die verbunden sind durch ihre
geheime Liebe zur verbotenen Literatur. ... Ich hatte nicht vor, einen
detaillierten Bericht über das tägliche Leben von Menschen
in der Umerziehung zu machen, sondern zu zeigen, wie ein paar Bücher
das Leben von Menschen komplett verändern können. Die Kulturrevolution
ist nur der Background dieser Geschichte. Das, warum meine Geschichte
über einer Zeit ohne Bücher authentisch und glaubwürdig
wirkt." Dai Sijie
China 1971,
Maos Kulturrevolution hat schon einiges an Schärfe verloren. Die
Universitäten sind noch geschlossen. Nach Abschluss der Oberschule
werden der 17jährige Ma und der 18jährige Luo wie viele andere
junge Städter zur Umerziehung durch die "revolutionären
Bauern" aufs Land geschickt, um die Einflüsse ihrer bourgeoisen
Familien zu kompensieren.
Es verschlägt sie in ein einsames Bergdorf am Phönix-des-Himmels
im Distrikt Yong Jing. Unter der Aufsicht des Dorfvorstehers unterstützen
die jungen Männer aus der Stadt die Dorfbewohner bei ihrer alltäglichen
harten Arbeit, sei es auf den Feldern, oder im dorfeigenen Kupferbergwerk.
Mas Geigenspiel bringt den Dorfvorsteher auf die Idee, dass die zwei
wortgewandten Städter auch für etwas Unterhaltung der Dorfbewohner
sorgen könnten.
So gibt er ihnen den Auftrag, sich in der Kreisstadt einen nordkoreanischen
Film anzusehen, um ihn anschließend den Dorfbewohnern zu erzählen.
Dank Luos Erzähltalent wird die erzählte Filmvorführung
ein voller Erfolg. Auch im Nachbardorf hört man davon. Eines Tages
lernen die zwei die entzückende Enkelin des Schneiders aus dem
Nachbardorf kennen und freunden sich mit ihr an.
Ohne recht zu wissen, was mit ihnen geschieht, verlieben sich Luo und
Ma in das Mädchen.
Luo entdeckt, dass er mit erzählten Geschichten eine Chance bei
der von vielen begehrten Kleinen Schneiderin hat. Aber woher immer neue
Geschichten nehmen?
Die Enkelin des Schneiders erzählt ihnen, dass ein anderer Verbannter,
Vier-Auge, einen ganzen Koffer verbotener europäischer Literatur
mit in die Verbannung genommen haben soll.
Als Vier-Auge wegen guter Führung überraschend in seine Heimatstadt
zurückkehren darf, beschließen die drei den Koffer mit den
Büchern zu stehlen.
Der Coup gelingt, von nun an schwelgen die drei Freunde in ihrer arbeitsfreien
Zeit neben Balzac in den Geschichten vieler klassischer europäischer
Autoren.
Aus einem schmalen Band klassischer französischer Literatur in
chinesischer Übersetzung, "Ursula Mirouet" von Balzac,
erfahren die beiden jungen Männer zum ersten mal etwas über
die Liebe. Luo gelingt es mit dem Roman, den er der Enkelin des Schneiders
vorliest, endgültig das Herz der Kleinen Schneiderin zu gewinnen.
Doch ihr gemeinsames Glück währt nicht lange. Als Luos Vater
erkrankt, darf Luo für drei Monate in die Stadt zurückkehren.
Schweren Herzens verlässt Luo seine Geliebte und seinen Freund
und bitte Ma der Kleinen Schneiderin andere Verehrer vom Leib zu halten.
Kurz nach der Abreise Luos entdeckt die Kleine Schneiderin, dass sie
von Luo schwanger ist und bittet Ma ihr zu helfen.
Als Luo nach drei Monaten zurückkehrt, hat sich viel verändert
...
Pressenotizen
"Balzac
und die kleine chinesische Schneiderin" ist eine poetische und
bewegende Dreiecksgeschichte, die ihren großen Nachhall aus der
Frage zieht, welche Rolle Literatur
für unser Leben spielt.
Gleichzeitig aber ist Dai Sijies Film die kongeniale Umsetzung und Erweiterung
seines eigenen satirischen und autobiographischen Schelmenromans.
Mit allerlei
Tricks, wie dem oben beschriebenen Etikettenschwindel und einem Bücherkoffer
voller fremder Welten, haben es sich die beiden jungen Männer Luo
und Ma in ihrer Ver-
bannung von unbestimmter Dauer so behaglich wie möglich eingerichtet.
Es wird die prägendste Zeit in ihrem Leben. Denn gerade weil sie
gegen das Verbot west-
licher Kultur des Großen Vorsitzenden Mao verstoßen, finden
sie in der Kleinen Schneiderin die Liebe ihres Lebens, und verlieren
sie auch sogleich wieder, weil sie durch ihren Kultur-
einfluss zur Emanzipation der jungen Frau beitragen.
Durch die Lektüre von Balzacs Romanen entdeckt die namenlose'
Kleine Schneiderin ihr Selbstwertgefühl als Frau: dass die Schönheit
einer Frau ein unbezahlbarer Schatz ist.
Sie beschließt, ihr Dorf zu verlassen und in die Stadt zu gehen,
in der Hoffnung, dass ihr dort als Frau eine Wertschätzung zu Teil
wird, wie sie sie in den Romanen Balzacs aufscheinen sieht.
Für
die Verfilmung seines eigenen Romans hat Dai Sijie vor allem den Schluss
seines Romans erweitert und in die Gegenwart verlängert, was auch
seinen zahlreichen Lesern neue Denkanstöße bietet.
Indem er Ma aus dem französischen Exil auf der Suche nach der Kleinen
Schneiderin nach China an den Phönix-des-Himmels zurückkehren
lässt, bereichert er seinen Film gegenüber dem Roman um melodramatische
Aspekte.
Durch die Bezugnahme auf das chinesische Drei-Schluchten-Staudamm-Projekt
beschwört Dai Sijie mit der Überflutung (dem Untergang) seiner
eigenen Erinnerungslandschaft die Unaufhaltbarkeit menschlicher Kultur,
deren Wesen gerade in ihrem Wandel besteht.
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